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In der Reihe der „Schoenstatt Heroes“ fand zum Internationalen Jugendfestival 2005 in Schönstatt auch Karl Leisner einen Platz. Aber warum? Und weshalb ist er gerade in diesen Tagen wieder aktuell geworden? Gehen wir ein wenig in der Zeit zurück, in das wohl dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Ein Attentat auf Hitler im Jahr 1939 – oder besser das Misslingen desselben – brachte alles ins Rollen. Denn dem jungen Karl, der Priester werden wollte, entschlüpfte ein schlichtes „Schade, dass er nicht draufgegangen ist“. Damit hatte er praktisch, ohne es zu ahnen, sein eigenes Todesurteil unterzeichnet.
Hätte er eine Wahl gehabt, würde er vermutlich recht lange überlegt haben, ob er sein Leben für eine unbedachte Äußerung opfert. Denn eigentlich war Karl ein fröhlicher Mensch. Seine Begeisterung für den Glauben konnte sehr schnell andere anstecken. Er führte Jugendgruppen, leitete Wallfahrten und Freizeiten. Seine Leidenschaft für Christus wollte er dann auch zum Beruf machen. Er begann mit dem Theologiestudium und strebte das Priestertum an. Nur diese Bemerkung kam ihm dazwischen, dieser eine Satz, den er sich wohl besser verkniffen hätte. Denn irgendjemand schwärzte ihn dafür bei der Gestapo an und ehe er es sich versah, war er festgenommen. Und dass, obwohl er sich gerade zu dieser Zeit wegen seiner chronischen Lungenkrankheit auf Kur befand. Die Nazis kümmerte das wenig, sie zogen alle Register, ihn als Systemfeind kleinzukriegen. Schließlich landete Karl tatsächlich im Konzentrationslager in Dachau.
Fast hätte es ihn vorzeitig erwischt. Als „unnützer Esser“ eingestuft, tauchte sein Name auf einer Liste derjenigen auf, die als nächstes vergast werden sollten. Irgendwie gelang es zwei befreundeten Priestern, den Namen streichen zu lassen. Das war grade noch mal gutgegangen. Seine Lebensfreude ließ Karl sich jedoch nicht nehmen. Stattdessen bat er seine Angehörigen, ihm doch bitte seine Gitarre zu schicken. Er muss wohl einen relativ freundlichen Aufseher gefunden haben: Das Instrument kam an und Karl spielte zur Aufmunterung seiner Mitgefangenen. Auch seinen Traum, Priester zu werden, hatte er nicht aufgegeben. Als ein französischer Bischof ins Lager gebracht wurde, ergab sich alles andere fast von selbst. Am 17. Dezember 1994 schließlich weihte ihn der Bischof zum Priester. Während drinnen die Messe lief, spielte draußen ein jüdischer Gefangener Geige, um das Wachpersonal abzulenken. Sogar Kaffe und Kuchen gab es für Karl an diesem einen Tag: Evangelische Pastoren hatten durch wochenlange Vorbereitung heimlich eine Kaffeetafel organisieren können.
Doch Karl war zu diesem Zeitpunkt nur noch ein Schatten seiner selbst. Die nicht kurierte Lungenkrankheit ging schon seit langem an die Substanz, Tag und Nacht tobte das Fieber in seinem Körper. Kaum einen Schritt vor den anderen konnte er setzen. Eine Woche nach seiner Weihe hielt er seine erste Hl. Messe, danach war er auch dafür viel zu schwach – es sollt seine einzige bleiben. In der Tat erholte er sich nie mehr ganz von seiner Krankheit, auch wenn er im April 1945 bereits wieder ins Sanatorium zurückkehren konnte, weil die Amerikaner Dachau befreit hatten. Bereits am 12. August schloss Karl für immer seine Augen.
Was ihn von den meisten Gefangenen des Nazi-Regimes unterschied, war seine gläubige Haltung. „Segne, o höchster, auch meine Feinde“, das waren die Worte, die er selbst im Angesicht des größten Leids in sein Tagebuch schrieb. Papst Johannes Paul II. sprach ihn 1996 selig, im April dieses Jahres eröffnete der Bischof des Bistums Münster, Dr. Reinhard Lettmann, das Heiligsprechungsverfahren. Damit könnte Karl der erste offiziell heilige Schönstätter werden. Für die Jugend Europas hat Karl Leisner eine besondere Bedeutung: bereits 1988, auf einer Art europäischem Jugendtag in Straßburg, empfahl der Papst 42.000 Jugendlichen, ihn als Beispiel und Vorbild anzunehmen. Straßen und Häuser tragen inzwischen seinen Namen. Auch die SMJ Magdeburg war eine zeitlang im „Karl Leisner Jugendhaus“ in Güsten beheimatet.
Karl ist also ein waschechter „Schoenstatt Hero“, von dem sich auch andere Leute eine Scheibe abschneiden. Es gibt einen internationalen Karl-Leisner-Kreis und sogar die so genannte Karl Leisner Jugend. Karls Bruder, Willy, reist – obwohl er bereits hoch betagt ist – sehr viel herum und will allen, die es hören möchten, von dem Menschen Karl erzählen. Und da hat er einiges, worüber es zu sprechen gilt. Dieser Mann, Karl, ist mit seiner Persönlichkeit und mit seiner ganzen Geschichte jedenfalls so interessant, dass es sich lohnt, in Zukunft mal wieder einen nähren Blick darauf zu werfen. Und er ist, das klang ja schon mal an, der Topfavorit für den allerersten Heiligen-Posten eines Schönstätters.
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