» trip
Ein Jahr Bolivien – das hört sich jetzt vielleicht lang an, aber inzwischen bin ich schon vier Monate hier und die Zeit vergeht wie im Flug. Ich – Ludwig Hildebrand (Kreis FightClub) – bin zurzeit in einem Austauschjahr in Bolivien, lebe bei einer Gastfamilie, gehe zur Schule und mache so dies und das. Wie man so hier lebt, darüber will ich jetzt ein bisschen erzählen.
Aber wieso ein Austauschjahr in Bolivien? Das werden sich jetzt vielleicht einige fragen. Allgemein fand ich die Idee, ein Jahr lang in einem anderen Land zu leben, sehr interessant. Auch ging es mir darum, eine neue Sprache sowie die Kultur kennen zu lernen. So kam es dann dazu, dass ich mich für Bolivien entschieden habe – vor allem, weil es einfach ein Land ist, das in vielen Dingen sehr unterschiedlich im Vergleich zu Deutschland ist. Aber da komme ich später noch mal genau drauf zurück.
Bolivien – das ist erstmal ein Land dreimal so groß wie Deutschland – liegt im Herzen Südamerikas und man spricht Spanisch. Die Hauptstadt heißt „La Paz“ – und genau da wohne ich auch. Meine Gastfamilie ist relativ klein: Gastmutter, Gastoma, der einjährige Sohn und ich – wir wohnen in einem Hochhaus ziemlich nah am Stadtzentrum. In der Schule war ich bis jetzt gerade erstmal einen Monat – vom Niveau her war das schon ziemlich einfacher als aus Deutschland bekannt – und seit November habe ich Ferien – bis Februar(!). War aber auch ganz gut so, denn so hatte ich die Möglichkeit, das Land ein wenig besser kennen zu lernen. So sind wir (alle deutschen Austauschschüler aus La Paz) Ende November für ein Wochenende zum Titicacasee gefahren – der liegt ca. zwei Stunden von der Stadt entfernt. Dort sind wir zu ein paar Inseln im See gefahren und haben alte Inkaruinen gesehen. Schon sehr interessant gewesen – nur ist der See leider so kalt, dass Baden unmöglich war; da bevorzuge ich doch schon die Mösersche See.
Anfang Dezember unternahm ich dann selbständig auch noch mal eine Reise – diesmal aber nur mit zwei Freunden. Es ging so ziemlich einmal quer durchs Land und war wirklich cool. Beeindruckend fand ich vor allem, dass hier jede Stadt (insgesamt gibt es ja nur neun Städte im ganzen Land über 100.000 Einwohner) ihren ganz eigenen Charakter hat und man vom Andenhochland mit kaltem Klima zu mehr gemäßigten Regionen kommt und schließlich im Dschungel landet. Ich glaub’, die haben fast alle möglichen Klimazonen in Bolivien!
Aber um mal ein wenig über die Leute hier zu erzählen: Besonders in La Paz ist das Stadtbild geprägt von den „Cholitas“- also die Frauen, die indigenen Ursprungs sind und durch ihre Trachten (dicke Röcke, viel Glitzerkram und Hut) besonders auffallen. Unhöflich sind die außerdem. Aber ansonsten sind die Menschen hier sehr nett, manchmal vielleicht etwas konservativ – aber das wohl wichtigste ist, dass die hier sehr viel offener sind und man so z.B. in der Schule sehr schnell Freunde findet, man schneller mit fremden Leuten ins Gespräch kommt.
Was jedoch auch zu Bolivien dazugehört, ist die starke Armut, die hier herrscht. Ich brauch nur hundert Meter aus’m Haus zu gehen und schon sieht man einen Bettler an der Ecke sitzen. Am Anfang war das schon schockierend, ständig diese armen Menschen zu sehen, aber jedes Mal kann man denen ja auch nichts geben. Vor allem, weil es dann passieren kann, dass die einen nicht mehr in Ruhe lassen und einen verfolgen. Besonders bei Kindern ist das schlimm – die belästigen einen richtig, werden unverschämt. Ist schon etwas schwierig, weil sie ja manchmal echt arm dran sind. Auch sehr typisch für alle Städte Boliviens sind die Schuhputzer – mit verhülltem Gesicht (damit sie niemand erkennt) laufen die durch die Straßen um sich ein bisschen Geld zu verdienen. Dass Bolivien eben noch ein Entwicklungsland ist, das fällt einem an diesen und einigen anderen Beispielen oft auf.
Was auch sehr erwähnenswert – und lecker – ist, ist das bolivianische Essen – zum einen sehr schmackhaft, zum anderen auch etwas gewöhnungsbedürftig (inzwischen bin ich dran gewöhnt). Aber gleich in meiner zweiten Woche hier tischte mir meine Gastmutter ein leckeres Essen auf: gebratene Rinderzunge, fand ich nicht ganz so berauschend … Aber inzwischen bin ich sogar schon so weit, dass ich vor kurzem „Anticucho“ gegessen habe. Das ist Kuhherz in Scheiben geschnitten und gebraten – köstlich! Auch sonst gibt es sehr viele leckere bolivianische Gerichte. Gut, dass ich nicht dick werde – gibt manche Austauschschüler, die behaupten, sie hätten schon zwölf Kilo mehr auf’n Rippen …
Jedenfalls gefällt’s mir sehr gut hier in Bolivien. Auch Spanisch habe ich relativ schnell gelernt und kann mich inzwischen schon gut unterhalten – wenn auch immer noch Vokabeln fehlen und man meinen Akzent stark hört. Insgesamt kann ich schon sagen, dass ich bereits viele wichtige Erfahrungen gesammelt habe, die man vielleicht nur in einem anderen Land machen kann. Eine Menge neue Leute habe ich auch schon kennen gelernt. Ich bin auf jeden Fall mal gespannt, was noch so alles kommt in den nächsten acht Monaten hier.
An dieser Stelle jetzt erstmal viele Grüße an alle in der Regio, ganz besonders an den FightClub (Ende des Jahres steig’ ich dann wieder voll ein
) und an alle, die mich sonst kennen.
Alles Gute aus Bolivien,
Ludwig
Ähnliche Beiträge:
» Zu fünft in der Schweiz | September 2007
» Das Jahr des F.L.O.H. | Dezember 2007
» Jugend über Jugend | Januar 2008
» Ein lustiger Haufen | Februar 2007
» Erlebnisse rund um den Weltjugendtag – direkt aus Down Under | Oktober 2008
![[Valid RSS] [Valid RSS]](http://floh.regio-wegweiser.de/wp-content/themes/magfloh/img/valid-rss.png)
