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Russell und Emanuel, das sind zwei Jungs, die beide auf die Mukuru Kayaba Primary School in Nairobi gehen. Russell ist elf Jahre alt und besucht die siebente Klasse, Emanuel ist zwei Jahre älter und eine Stufe darüber. Die beiden stehen wohl für viele Kinder, die auf solche Schulen mitten in den Slums gehen. Was sie auszeichnet, ist, dass sie Einblick bekommen haben in eine andere Welt.
Russell wohnt mit seinem jüngeren und seinem älteren Bruder allein zuhause, seinen Eltern halten sich irgendwo auf dem Land auf. Russell wird sicherlich nur bedingt schöne Ferien erleben. Denn für seinen kleinen Bruder muss er Reis kochen und auch sonst wird er – wie jeden Tag – eine Menge im Haushalt zu erledigen haben. Und nebenbei muss er auch noch Geld verdienen, denn sein älterer Bruder bleibt nur zuhause, um für seine Secondary School zu lernen.
Auch Emanuel lebt zusammen mit seiner arbeitslosen Mutter irgendwo im riesigen Mukuru-Slum, der zweitgrößten Marginalsiedlung in Nairobi. Auch er ist eine wichtige Arbeitskraft für den Haushalt und ebenso, um durch kleinere Tätigkeiten Geld zu verdienen. Ferien bedeuten für ihn nicht wirklich freie Zeit. Denn ihr Essen müssen sie auch in dem Monat irgendwie bezahlen, in dem keine Schule stattfindet. Emanuel würde gerne zur Nachhilfe gehen. Doch die 150 Kenia Shilling (etwa 1,70 €), mit denen er die Lehrer bezahlen müsste, können er und seine Mutter nicht aufbringen. Dabei braucht er gerade jetzt dringend Zusatzunterricht. Am Ende des Jahres will er nämlich sein Examen schreiben. Nur mit dem K.C.P.E. (Kenyan Certificate on Primary Education) in der Tasche könnte er dann auf eine Secondary School gehen.
Was beide verbindet, ist ihre Freude am Zeichnen. Wohl haben sie dazu kaum Gelegenheit, denn zuhause verfügen sie weder über Stifte noch über Papier. Also üben sie sich vorwiegend in der Schule, in ihrem Schreibheft oder an der Tafel. Das muss auch der Lehrerschaft aufgefallen sein, denn die beiden Jungs haben eine Geschichte zu erzählen, die sich anhört, als wäre sie aus einem Akte X-Drehbuch geliehen.
„Eines Tages kam unsere Direktorin in verschiedene Klassen, um die fünf besten Zeichner unserer Schule auszuwählen“, erinnert sich Emanuel. „Dazu gehörten dann wir beide, zwei Mädchen und noch ein anderer Junge.“ Diese fünf Kinder, erzählt er weiter, seien dann von jemandem mit dem Auto abgeholt und in die Stadt gefahren worden. „Mit einem Lift fuhren wir ziemlich weit nach oben. Als wir angekommen waren, sollten wir etwas zeichnen. Die Leute dort haben uns dann ein großes Mittagessen gegeben.“ Ein kleiner Einkaufsbummel und Eiscreme hätten sich angeschlossen, bevor sie wieder zurück gebracht wurden.
Jeder mag sich sein eigenes Urteil über diese Geschichte bilden. Ob es nun Entwicklungshelfer waren, die eine Art Talentförderung betreiben; ob es ein reicher Geschäftsmann war, der seine obligatorische gute Tat pro Jahr für die Presse inszenieren wollte; oder ob diejenigen, die Russell, Emanuel und die anderen zu sich einluden, einen ganz anderen Zweck verfolgten – Tatsache ist, dass die beiden Jungs auch heute noch gerne zeichnen. Sie erbaten sich von uns ein Blatt Papier für jeden und malten mit unseren Kugelschreibern drauf los. Die Bilder erhielten wir nur unter der Bedingung, dass wir am nächsten Tag Kopien mitbringen würden. Was wir auch taten.
(Neugierige können unter der Adresse www.afrika07.de.vu weitere Begebenheiten und Eindrücke nachlesen.)
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