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Lebendig und kräftig und schärfer

Hat der Wise Guys Song das Zeug zur Pfingsthymne?

Ein Geheimtipp sind die fünf Jungs aus Köln mit ihren A-Cappella-Feuerwerken schon lange nicht mehr. Mit ihrem aktuellen Album „Radio“ übertrafen die Wise Guys alle bisherigen A-Capella-Platten in den deutschen Charts. Seit nunmehr dreizehn Jahren begeistern sie Fans wie unbedarfte Zuhörer gleichermaßen durch ihre CDs und Konzerttouren.

Die Wise Guys sind keine christliche Band. Mit den Popmelodien und den zumeist augenzwinkernden Texten ihrer Lieder lassen sie sich in Richtung der Comedian Harmonists einordnen (denen sie auch eine Hommage gewidmet haben). Dementsprechend kommen die Songs stets mit glaubensneutralen Inhalten daher. Nichtsdestotrotz machen die Jungs – auch auf der Bühne – keinen Hehl aus ihrem Glauben. Während es im Opener (vom Album „Alles im grünen Bereich“) über Eddie heißt: „… er hat nur einen Fehler, er ist leider nicht katholisch“, sind Dän, Sari und Clemens es sehr wohl.
Fast richtig Flagge zeigen können die Wise Guys nun durch einen Spezialauftrag, den sie von den Organisatoren des Evangelischen Kirchentags 2007 in Köln bekommen haben: das Mottolied für diese Großveranstaltung zu schreiben, zu der im Juni rund 100.000 Dauergäste erwartet werden. „Lebendig und kräftig und schärfer“, so der Titel des Werkes, das dabei entstanden ist. Es soll dazu aufrütteln, aus Lethargie und Anpassung aufzuwachen. „Lasst uns dem Alltag, der so nichtig ist, entgegenstellen, was uns wichtig ist.“ Das „Wort Gottes“ komme bewusst nicht in dem Song vor, meint Komponist Dän, dennoch fordere es auf, gerade im Alltag öfter und stärker Farbe zu bekennen und das eigene Christsein nicht zu verschweigen.

Ob „Lebendig und kräftig und schärfer“ das Zeug zu einer Pfingsthymne hat, lässt sich nicht ohne weiteres entscheiden. Aber allein der Titel hat etwas Geisterfülltes an sich: Lass Dich nicht von anderen Menschen oder Dingen leben, sondern sei lebendig. Sei kein Waschlappen, mische kräftig mit und zeige Flagge. Lass Dir die Meinung nicht verwischen, meide verschwommene Glaubensbilder – Schärfe, Klarheit, Deutlichkeit ist gefragt! Ein rundherum (heraus-) fordernder Song, den wir uns durchaus zu Herzen nehmen können – auch wenn er anlässlich eines evangelischen Kirchenereignisses entstanden ist.


Autor: Johannes Reimann
Rubrik: mag » misc
Eingestellt am 26. Mai 2007
Zuerst veröffentlicht in Ausgabe 27, Mai 2007
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