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Und das Datum ward Tradition – die Entstehung der Reinisch-Nacht (2)

Zur 45. Reinischnacht, im Sommer 2007, berichtete Pfarrer Heinrich Aust über die Entstehung dieser Tradition der SMJ Regio Wegweiser. F.L.O.H. online bringt den O-Ton seiner Rede in Abschnitten.

In der Nacht vom 20. auf den 21. August 2007 versammelten sich junge Männer in Kirchmöser, um zum 45. Mal die Reinisch-Vigil zu begehen. Pater Franz Reinisch, der Märtyrer der Gewissenstreue, ist seit Bestehen der Schönstatt-Mannesjugend in Ostdeutschland eine herausragende Figur, ein Vorbild für die Jungmänner. Eine theologische Diplomarbeit beschäftigt sich mit ihm, ein Kreis trägt den Namen Reinisch-Ritter und die Reinisch-Nacht kann zu den Höhepunkten des SMJ-Jahres gezählt werden. Zum “kleinen Jubiläum”, also dem 45. Geburtstag dieser Vigil, war Pfarrer Heinrich Aust aus Magdeburg eingeladen, über ihre Entstehung zu berichten. Als damaliger Standesleiter der Jungmänner hat er die Reinisch-Nacht 1962 praktisch mit aus der Taufe gehoben. F.L.O.H. online veröffentlicht den Vortrag von Pfarrer Aust in Abschnitten.

Teil 2: Sich heimisch machen unweit der Todesstätte

“Bei den Tagungen wurde auch immer wieder von Pater Reinisch, also nicht nur von ihm, gesprochen und da ist dann auch der Gedanke aufgekommen – wenn ich mich recht besinne kam das so: Wir sahen uns nur Pfingsten und Silvester, für zwei, drei Tage. Und das war uns zu wenig. Und da hatten wir hier von dem schönen Ferienheim der Caritas [in Kirchmöser] gehört und da dachten wir: Das ist doch auch mal was, wo wir uns zwischendurch treffen können. Dann kam das mit dem Datum, so schön in den Ferien, der Todestag von Pater Reinisch. Und dann sind wir her und haben hier vorgesprochen und dann hieß das aber: Das Haus ist im Sommer immer ausgebucht für Müttererholung, da tut sich mit der Jugend gar nichts. Alle Gemeinden dieses Gebietes kommen hierher und wollen mir der Jugend hier was machen. Ihr könnt es versuchen. Im Hause geht es nicht und von der Insel die werden immer wieder nachhause geschickt. Jugend, katholische Jugend, darf nicht zelten. Es ist zwar immer wieder passiert. Am stärksten hat es versucht die Dresdner Studentengemeinde, aber sie sind im Grunde gescheitert und haben es nicht fertig gekriegt. Und darum ist das ganz armselig angefangen, im ersten Jahr 1962. Auch wir Priester, die wir uns hier versammelten, bekamen kein Zimmer und keine Schlafgelegenheit und keine Ruhegelegenheit, sondern man stellte uns für vielleicht – ich weiß nicht, ob es beim ersten Mal drei, vier, fünf Jugendliche waren – man stellte uns die Veranda zur Verfügung, dahinten an diesem Haus, und man stellte uns zur Verfügung die Kapelle. Es war aber damals alles ganz anders als heute; dieses herrliche große Haus, das ist nach der Wende gebaut; sondern da standen zwei so Holzbaracken und die waren immer alle voll belegt und das Haus auch da vorne, dieses eigentliche, das war eine Villa, also gar nicht ausgebaut zu Übernachtungen. Ja, das war was schwierig mit dem Zelten, das war immer auf der kleinen Insel, und da wurde immer wieder abgeräumt. Da kamen Leute vorbei und dann wurde alles, was da zu zelten versuchte, nachhause geschickt, ganz egal, wer das war, ob katholisch oder evangelisch oder auch gar nichts, sondern da durfte einfach nicht gezeltet werden. Aber schon mal, wenn man Glück hatte, zwei, drei Tage da zu zelten, dann ist das gelungen. So sind also die ersten mutigen Zelter einmal hier auf die kleine Insel vorgestoßen, haben da gezeltet, und haben immer Glück gehabt. Es ist nicht einmal abgeräumt worden. Dann sind das langsam ein paar mehr geworden. Als es dann hinterher noch mehr wurden, ich war von Wittenberg noch hier, mit zwölf Jugendlichen, und der Pfarrer Lohse war hier mit auch einer großen Zahl, da sind wir natürlich abgeblitzt und mussten nach der Malge auf den Zeltplatz – und da war keine Atmosphäre, so dass das nichts wurde. Aber inzwischen kam dann der eigentliche Macher, das war der Pater Zinke. Der hat als Jungmann hier schon angefangen und ist dann ja Pater geworden und hat also als Jungmann hier schon alles in die Wege geleitet; einmal die Zelte rangeschafft und dann die Zelte aufgebaut – und dann hat er es fertig gekriegt, auf der großen Insel sich heimisch zu machen und ist dann jedes Jahr da gewesen. Ich war inzwischen nach zwölf Jahren Tätigkeit aus der Jugend auch raus gewachsen und war in Wittenberg Pfarrer geworden und hatte dann mit der Jugend und mit dem Zelten eigentlich nichts mehr zu tun, war aber auch noch oft hier. Aber, Matthias kann es sagen, da war inzwischen der Pfarrer Wulff hier mit seinem kleinen Häuschen, da sind wir untergekrochen, auf Luftmatratzen oder einfach auf der Erde, wenn es sein musste, und da waren wir dann in einer kleinen Schar von Theologen – und angehenden Theologen, Matthias war auch mal einer, der in das Studium rein gerochen hat – und da bin ich also noch viele Jahre hier gewesen und wir haben auch Kontakt zu den Jungmännern gesucht.

Aber wie die Reinischnacht dann vor sich ging, das ist ja zum Teil schon gesagt worden: Abends um acht Uhr wurde eröffnet. Da wurde feierlich das Todesurteil verlesen. Denn abends um acht Uhr wurden die Todeskandidaten für den nächsten Morgen aufgerufen und das Todesurteil wurde noch einmal verkündet und sie wurden auch noch mal gefragt, ob sie sich geändert hätten in ihrer Meinung. Und dann wurde zum Teil gebetet, zum Teil auch nach draußen hin gegangen – in kleinen Gruppen sind wir hier eigentlich überall spazieren gegangen. Es ist dann langsam zu der Gewohnheit gekommen, dass in dieser Nacht auch sehr viele eine Aussprache suchten und gebeichtet haben. Also die Beichte stand dann auch nach Mitternacht ganz stark im Vordergrund. Es war ja fast immer mehr als ein Priester hier. Und so hat sich das offenbar dann durchgehalten.”


Autor: Pfarrer Heinrich Aust (Live-Aufnahme)
Rubrik: mag » feature
Eingestellt am 20. März 2008
Zuerst veröffentlicht auf F.L.O.H. online
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