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Imperium Romanum – Römer im Wiesental
»Salvete Amici! Salvete Consulus! Cäsar hat mich, seinen Boten geschickt um euch eine wichtige Botschaft kundzutun ...« Alle Legionäre und Zenturios lauschen gespannt, was wohl der Auftrag für den heutigen Tag sein mag. Die Rede ist von einem »seltsamen Geruch« im Lager. Der Imperator hat die öffentlichen Thermen zur allgemeinen Großwaschung freigegeben. Kurze Zeit später marschiert das gesamte Kastell entlang der Via Appia Richtung Uder.
Es ist wieder einmal Zeltlager im Thalwendener Wiesental. Unter dem Motto »Imperium Romanum – Caesars Legionen brechen auf« haben sich 37 Legionäre aus nah und fern aufgemacht, um zwei Wochen lang das Leben in einem römischen Kastell kennen zu lernen.
Schon zu Beginn konnte jeder Einzelne beweisen, dass er das Zeug zu einem echten Legionär hat. Mitten in der Nacht ging es auf Germanenjagd. Diese waren feige in das Lager eingedrungen und hatten die Schatzkammern (gefüllt mit Nutella, Snickers und Apfelsaft) geplündert. Doch schon nach kurzer Zeit war das Lager des Feindes aufgespäht und mit einem Furcht einflößenden Kampfschrei stürzten sich die Römer auf die Germanen. Denen blieb entweder der beherzte Sprung ins nahe Brennesselbeet oder der Zweikampf.
Die wackeren Römer hatten damit jedoch noch lange nicht Ruhe vor marodierenden Barbaren. So trug es sich zu, dass eines schönen Morgens die Legionen zum Frühsport antreten wollten- aber ihre Schuhe nicht fanden. Christof Hufnagel und sein Mit-Barbar Christian Meier (Namen von der Redaktion geändert) hatten es fertig gebracht vom Gaskocher bis zur Lagerstandarte den Großteil des Lagerinventars zu stehlen. Bei späteren Anhörungen vor Laurenz, dem Judicus des Lagers, kam heraus, dass Wildschweine die Nachtwache erschreckt hatten und diese deshalb frühzeitig in ihre Schlafsäcke gekrochen war.
Wenn es ein Wort gibt, mit dem man das Römerlager beschreiben sollte, so würden manche sicherlich sofort an »Schlamm« denken. Tatsächlich hat es lange kein Lager (verlässliche Quellen berichteten von einem ähnlichen Lager um 1995) mit derartig viel Regen gegeben. Einen echten Römer kann das aber nicht entmutigen! Kurzerhand wurden Bohlen verlegt und Laub gestreut. Doch der Schlamm wollte partout nicht weichen, sodass schweres Gerät aus Thalwenden herangeschafft werden musste. Der Spezialbagger schob einen Kubikmeter Schlamm nach dem anderen beiseite und förderte dabei den vergessen geglaubten Schotterweg aus alter Zeit zutage.
Für unseren Einweihungsgottesdienst meinte es das Wetter wieder gut mit uns. Der eigens für diese Zeremonie angereiste römische Priester Samietzus weihte neben den Lagerthermen auch die Zelte, das Kilian-Kreuz (garantiert nicht zu übersehen und jeder Naturgewalt gewachsen) sowie den »Templum«. An diesem Ort wurde auch der (von allen Römern signierte) »Codex Virtutis« – »Ehrencodex« angebracht. Vorher hatten die Legionäre mit ihren Zenturios gemeinsam beraten, welche Regeln am wichtigsten für ein ordentliches Miteinander sind und diese im Anschluss aufgeschrieben.
Eine Tradition, die in diesem Jahr ebenfalls großen Anklang fand, war der allabendliche Dankesritus. Wer jemand anderem für eine spezielle Sache danken wollte, konnte ihm im Laufe des Abendgebets einen kleinen weißen Stein überreichen. Die Nachtruhe musste aufgrund allgemeiner Dankbegeisterung des Öfteren verschoben werden. Gleichzeitig konnte man hierin das funktionierende Miteinander unter den jungen Römern erkennen.
Dieses Miteinander mussten sie dann auch auf die Probe stellen. Der Hajk stand nämlich bevor. Einen Tag lang hieß es »Auf in die Provinz«, wo Zenturios an verschiedenen lauschigen Stellen mit Wissens- und Praxisaufgaben warteten – sei es Weißbrotwettessen, Lagerfeueraufbau, oder das Wissen um die Anzahl der Küchenzeltstangen. Leicht hatten es die Legionäre auf alle Fälle nicht, verdient dafür aber das Grillfest in der Nähe von Arenshausen.
Doch damit nicht genug Herausforderungen. Am Tag der Jungs fieberte das Lager dem großen Fußballturnier Zenturios vs. Legionäre entgegen. Das Spiel war lang und hart, alle spielten erbittert und voller Entschluss bis zur letzen Minute. Mit dem Pfiff des Schiedsrichters Rainer bewahrheitete sich eine alte Fußballerregel: »Ein Spiel hat 90 Minuten und die bessere Mannschaft gewinnt«. So stand es schließlich 7:5 für die Jungs. Selbst dem eigens für dieses Spiel angereisten Profistürmer der Nachwuchsmannschaft 1.FC Bamberg, Bernhard Staffa, blieb nichts als fassungsloses Starren angesichts der frustrierenden Niederlage.
Kurz vor Ende des Lagers wurde uns die seltene Ehre zuteil, an einer echt Thalwendener Hochzeit teilzuhaben. Zurückzuführen mag dies auf die Anwesenheit von Thalwenden-Insider »Matze« im Lager sein. Andere Quellen erklären es mit der charmanten, überzeugenden Art des Hermann Helbing, welcher kurze Zeit vorher in der Nähe der Braut gesehen worden sein soll. Fest steht einzig, dass das Paar ein echt handgefertigtes Römerschild von uns überreicht bekam. Nähere Informationen zu der Tatsache, dass wir in den Dankesworten als »Pfadfinder« bezeichnet worden sind, lagen zur Zeit des Redaktionsschlusses nicht vor. Es wird von einer gezielten Fehlinformation ausgegangen, die höchstwahrscheinlich dem dubiosen »Uder-Kartell« zuzuschreiben ist.
Das Römerlager 2009 fand schließlich einen gebührenden Abschluss mit der Liebesbündnismesse, in der viele Jungs das Bündnis mit der Gottesmutter zum ersten Mal schlossen und etliche andere es erneuerten. Auch das Buffet à la »Schwestern aus dem Kleinen Paradies« trug das Seine zum Gelingen dieses Abends bei. Besonderer Dank geht an dieser Stelle auch noch einmal ausdrücklich an die Eltern, die zum Abschlussgottesdienst (Pater Samietzus demonstrierte einmal mehr seine Künste in Sachen Messzelebration) so zahlreich erschienen waren und im Anschluss mit ihren Kuchenspenden herrliche Gaumenfreuden bereiteten.
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