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Für zwei Wochen drehte sich das Rad der Zeit zurück im Wiesental in Thalwenden. Dort, wo noch im Jahr zuvor Beduinen ihr Lager aufgeschlagen hatten, entstand im Sommer für 9- bis 14-jährige Jungs eine Komturei der Templer.
Nach der Paddeltour auf der Werra, einigen Tagen des Aufbaus und mit viel Spaß mit den Bitterfelder Gästen im Kleinen Paradies konnte das diesjährige Zeltlager in Thalwenden am 30.08. endlich beginnen. Da sich Lorenz beim Fußball verletzt hatte und so nicht als Gruppenleiter am Zeltlager teilnehmen konnte, wurden die Gruppen kurz vor Lagerbeginn noch umverteilt. Es sollte nun also fünf Gruppen mit je sechs Jungen geben.
„Tropf“, einer meiner ersten Eindrücke vom Lager, nachdem der Aufbau völlig ohne Regen verlaufen war. Doch nun begann es mal mehr oder weniger zu regnen. Die Begrüßungsrunde konnte aber wie geplant ohne Regen rund ums Lagerfeuer stattfinden. Für große Spannung sorgte wie jedes Jahr die Gruppenaufteilung. Wer ist bei mit mir in der Gruppe? In welchem Zelt schlafen wir, usw.? Beim Bezug der Zelte merkte man, dass es mit sieben Leuten in einem Zelt ganz schön eng wird mit so viel Gepäck. Durch die kurzfristige Umverteilung der Gruppen war aber auch ein Zelt frei geworden, was wir nun als Gepäckzelt nutzen.
Voller Elan begann am Dienstagmorgen der Aufbau unser Komthurei. So wurde etwa der Tempel, unser Lagerheiligtum, wieder zu neuem Leben erweckt. Auch schützten bald Palisaden unsere Stadt. Findige Jungen entwickelten auch noch ein paar Hindernisse für mögliche Einbrecher. Einige ganz kluge Köpfe kamen auf die Idee, einen Stein so zu platzieren, dass er nach Auslösung durch einen Stamm genau gegen das Küchenzelt rollen sollte. Die Konstrukteure meinten: „Ja, dann hören wir wenigstens nachts die Einbrecher! Was mit dem Küchenzelt passiert, ist egal!“ Na toll. Für Nichteingeweihte sei gesagt, dass im SMJ Zeltlager in Thalwenden fast jede Nacht eine Gruppe Nachtwache hat. Neben der „Bewachung des Lagers“ spielt aber auch ein anderer wichtiger Aspekt eine Rolle. Für die meisten Jungen ist es ein außergewöhnliches Erlebnis, die Natur im Dunkeln zu erleben und einmal selbst eine gewisse Verantwortung für das Lager zu tragen. So versuchen etwa einige SMJ´ler auch immer wieder, dass Lager abends zu überfallen und durch Verhandlung über das Erbeutete morgens ein genussvolles Frühstück zu bekommen. Im Gegenzug müssen sie, wenn sie erwischt werden, dem ganzen Lager einen Dienst erweisen. Dieses Jahr hatten wir von beidem etwas. Von insgesamt vier Überfällen sind zwei misslungen. Die restlichen beiden sind, naja, auch nicht so erfolgreich gewesen.
Berichtenswert ist aber ein Überfall, bei dem so ziemlich alles schief lief, von der Geheimhaltung des Überfalls bis zur Durchführung der Aktion. Demzufolge wurden unsere drei Kumpane auch erwischt. (Die Namen seien hier aus Datenschutzgründen verschwiegen). Ein weiterer Überfallversuch konnte ebenfalls vereitelt werden. Zur Freude alle spendierten die Überfälle am nächsten Tag jedem eine Tafel Schokolade.
Aber zurück zum Verlauf des Zeltlagers. „Wählt mich als …!“ Ja, die Wahl stand auf dem Programm. Zu vergeben waren die Ämter des Sergeanten (Bürgermeister), Dragomanen (Richter), Tabellarius (Postminister), des Händlers und des Sportministers. Nachdem sich vormittags jede Gilde einen Gruppennamen gewählt hatte, wurde nun kräftig Wahlkampf betrieben. Einige Jungen vermochten es, durch geschickte Nutzung des Wahlstudios ihre Wähler zu begeistern. Am Ende stand Pascal Koch als Bürgermeister fest. Als ein großer Gewinn für das Lager sollte sich das von ihm komponierte Lagerlied erweisen – auch wenn der Text für Hochgebildete ziemlich einfallslos erschien. Mit der Wahl war der Aufbau unseres Lagers fürs erste abgeschlossen. Es wurde Zeit für einen ersten wahren Höhepunkt, den HAJK.
Nur mit Wegbeschreibung ausgerüstet, machten sich die sechs Gruppen auf den langen Weg zu den acht Stationen. Die vielen Erlebnisse schweißten die Gruppen erst noch einmal richtig zusammen. Viel könnte man über die Erlebnisse beim Hajk erzählen, aber das würde diesen Artikel um viele weitere Seiten verlängern. Letztendlich sind abends wieder alle Gruppen froh und munter, ohne den „Notfallbrief“ geöffnet zu haben, im Wiesental angekommen. Nachdem endlich auch wieder alle Gruppenleiter angekommen waren, konnte endlich das heiß ersehnte Abendbrot beginnen. Alle waren geschafft. Daher wurde für den nächsten morgen das Aufstehen auf acht Uhr verschoben …
Samstagmorgen, sieben Uhr. Ritter Rainer vom Berge Tabor, Mitglied eines „richtigen“ Templerordens, taucht mit seinem Gefährten Christof unter „Donnerkrachen“ auf und will seinen Auftritt inszenieren. Doch durch einen schlechten Informanten ist er über eine Stunde zu früh. Tja, Pech gehabt! Kein Gruppenleiter und kein Junge lässt sich durch den Lärm zum Aufstehen anregen. Auftritt fehlgeschlagen. Dafür umso besser aber klappte der weitere Verlauf des Tages. Nach einigen spannenden Geschichten über die Templer beschäftigen wir uns mit den ritterlichen Tugenden. Im von Rainer gezeigten Schwertkampf fanden sie gleich Anwendung. Zum krönenden Abschluss bastelte sich jeder Junge auch noch sein eigenes Rittergewand. Das vergessene Tal der Tempelritter war nun richtig zum Leben erwacht. Mit der Wallfahrt ins Kleine Paradies am Sonntag und einer tüchtigen Wasserschlacht erreichte das Lager seinen Mittelpunkt.
Ein Höhepunkt der nächsten Tage war der Tag der Jungen. Das traditionelle Fußballspiel Helfer gegen Jungen endete mit einem souveränen Sieg der Helfer mit 14:4. Wie jedes Jahr schlossen auch 2007 wieder einige ihr Liebesbündnis neu bzw. erneuerten es. Anschließend gab es, wie es sich für große Ereignisse gehört, auch das passende Festmahl – wegen strömenden Regens nach dem Gottesdienst leider im Zelt. Jetzt zeigte sich, dass einige Zelte sich bei starkem Regen zu wahren Burgen entwickelten, sogar mit echtem Burggraben mit Wasser, Zugbrücke, usw. Doch wie von der Lagerleitung zu erfahren war, gab es für diese mühevoll konstruierten Bauten im Überraschungszeltdurchgang keine Punkte. Doch dieser Regenguss zog keine größeren Folgen nach sich. Alle bis auf einen überlebten es! Der alte, zeltlagererfahrende Tisch aus dem Küchenzelt gab nach einigem Hin- und Herrücken und dem „Liebesbündnismahl“ seinen Geist auf.
Am Freitag hieß es schon wieder (Gruppen-) Zelte abbauen. Das geplante Programm zum Abschlussabend fiel leider ins Wasser. Just, als die letzten Urkunden verteilt und das GröLafaZ entzündet waren, begann es, in Strömen zu regnen. Doch unser GröLafaZ konnte das nicht aufhalten. Durch die Wand des Gemeinschaftszeltes sah man den hellen Schein des Feuers, welches nun leider ohne uns brannte. So wurde etwa die Geschichte des Jungen Gwyn, der sich auf den Weg macht, Ritter zu werden, zu einer Art „Gute-Nacht-Geschichte“. Selbst die Helferrunde am Abend fiel aus. Es schüttete unentwegt. Die Wassermassen drohten in das Gemeinschaftszelt zu laufen, da der Boden das ganze Wasser nicht mehr aufnehmen konnte. So wurde im strömenden Regen noch um ein Teil des Zeltes ein Graben gezogen. Zeugnis dieses wohl Kraft raubenden Arbeitseinsatzes kann noch ein ziemlich verbogener Spaten geben. „Und diese Biene, die ich meine, die heißt …“ Als kleines Gimmick des letzten Morgens wurden unsere tapferen Ritter mit diesem Stück anstatt des „wunderschönen Gutenmorgens“ geweckt. Der Regen war weg, der Matsch da, das ganze Tal völlig aufgeweicht, Gummistiefel das beste Fortbewegungsmittel. Mit anderen Worten, an ein Abschlusskaffee im Tal bei wohl möglichem Regen war nicht zu denken.
Beim kurzerhand ins Kleine Paradies verschobenen Abschluss des Lagers waren die Folgen des starken Regenfalls überall zu sehen. Überall Matsch und Dreck.
Doch trotz alle dem war es ein gelungenes Lager. Es gibt noch viele Sachen, die es wert wären, hier erwähnt zu werden, da sie einen zum Schmunzeln anregen, etwa das „Klar doch, Baby“, aber dafür ist in diesem Artikel leider kein Platz mehr. Die meisten Jungen waren und sind vom Lager begeistert. Kleine Tipp zum Schluss: Bilder sagen mehr als tausend Worte!
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