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“Hier bin ich, Herr”

Eine Diakonweihe ist nicht alltäglich. Jungmänner der Regio Wegweiser durften den Tag miterfeiern, an dem ihr Freund und Mitstreiter Hans-Martin Samietz jenes Sakrament empfing.

Ein heiliger Tag, das war der 22. September. Es mag übertrieben klingen, doch beschreibt dieses Wort wohl am meisten zutreffend die Atmosphäre, die an jenem sonnigen Herbsttag herrschte – zunächst in Nordhausen und später auch in Heiligenstadt. Immerhin hatte da einer an jenem Vormittag einen Schritt in Richtung Heiligkeit getan, in Richtung institutionalisierter, sozusagen berufsbedingter Heiligkeit.Hans-Martin Samietz, unser langjähriger Mitstreiter und seit einiger Zeit auch geistlicher großer Bruder in der SMJ Regio Wegweiser, empfing durch die Hand des Erfurter Weihbischofs Reinhard Hauke die Diakonweihe. Damit bog er praktisch in die Zielgerade seines Weges ein, der ihn vor vielen Jahren in Richtung Priestertum hatte einschwenken lassen. Vor mehr als einem Jahrzehnt hatte sich der junge Hans-Martin entschieden, dem Ruf des Herrn, ja seiner Berufung, zu folgen, wie es einst Samuel tat, der geglaubt hatte, von Eli gerufen worden zu sein. „Hier bin ich, Herr“, so lehrte ihn Eli zu antworten. Und das waren auch die ersten Worte, die Hans-Martin und auch sein Kollege Thomas Gehlfuß – mit dem er gemeinsam die Weihe empfing – am Fuße der Treppe zum Chorraum stehend sprachen, als sie im Dom zu Nordhausen aufgefordert wurden, vorzutreten.

Würde, Erhabenheit, ein seliges Strahlen auf seinem Gesicht: Hier hat jemand sein Glück gefunden, das konnte man sehen und spüren. Und dieser Eindruck zog sich durch den gesamten Gottesdienst, wurde getragen von all den Elementen, die zu einer solchen Weihe gehören und sie zu einem außergewöhnlichen Geschehen machen: ob die Handauflegung durch den Weihbischof; das Niederknien der Gemeinde, während sich die Weihekandidaten zur Litanei auf den Boden warfen; das Versprechen des Gehorsams und der Gefolgschaft; das bischöfliche Weihegebet oder die Überreichung der Dalmatik. Die Freundschaft mit Christus, das war das Leitmotiv des gesamten Tages, ausgewählt von den Kandidaten. Doch im Weihegottesdienst hob Bischof Hauke zunächst die besondere Aufgabe eines Diakons hervor, zu den Armen und Schwachen, zu den Benachteiligten und Ausgestoßenen der Gesellschaft zu gehen, ihnen Gottes Wort zu verkünden und ihnen zu dienen. „Ich bin gekommen, nicht um mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen“, so hatte es Christus selbst gesagt. Den Dienst an Armen und Kranken hatte sich auch die heilige Elisabeth zur Lebensaufgabe gemacht und ihrem Beispiel zu folgen sei genau das, was einen Diakon ausmache.

Wie bei einer Hochzeit waren viele Menschen zur Feier gekommen, Gemeindemitglieder aus Nordhausen, Verwandte und auch viele Freunde der beiden Neu-Diakone. Ein Dutzend SMJler der Regio Wegweiser waren Hans-Martins Einladung gefolgt, ebenso wie noch einmal so viele Veteranen und Ehemalige der Mannesjugend, teilweise mitsamt Familie. In wie vielen Jungmänner-Generationen Hans-Martin zuhause war und ist, konnte man zu diesem Anlass staunend erleben. Da kamen sie aus Dresden, Koblenz, Kassel, Bamberg, Berlin, München und sogar aus der Schweiz. Und wie bei einer Hochzeit gab es nach dem Gottesdienst Speis und Trank. Trotz der Engpässe bei gespülten Tellern sorgten viele Fleißige Helfer dafür, dass die Suppentröge nie trocken fielen. Und die Käsesuppe war wirklich außergewöhnlich lecker. Sonniges und warmes Wetter ließ noch lange bis in den Nachmittag hinein auf dem Platz vor dem Dom verweilen, lud zu Gesprächen ein oder zum ungestümen Spielen auf der Wiese. Viele Interessierte nahmen auch die Gelegenheit wahr und ließen sich durch das Gotteshaus führen.

Die Freundschaft zu Christus ist etwas Wunderbares. Denn sie verlangt keine Gegenleistung, setzt nichts voraus. „Wir werden von Christus gefunden. Dafür müssen wir nichts leisten“, so die Botschaft, die bei der eucharistischen Andacht am Nachmittag im Mittelpunkt war. An deren Anfang stand der Mariengruß, bei dem sich nach Minuten der Meditation, ausgefüllt von Saxophon-Musik, beide Diakone mit dem Gebet des schönstättischen Liebesbündnisses der Gottesmutter weihten. Taizé-Lieder und die musikalische Begleitung durch die Jugendschola der Domgemeinde ließen fast ein wenig Weltjugendtags-Stimmung aufkommen und konsequent erschallte zum Abschluss der Gebetsstunde das vielsprachige „Jesus Christ, You are my life“.

Im limettengrünen Tasch-Bully ging es für dessen Insassen bald danach im Autobahn-Tempo zurück nach Heiligenstadt. Denn für sie lautete nun der Auftrag, alles vorzubereiten, damit dieser heilige Tag – wo sonst wäre es passender gewesen – im Kleinen Paradies fortgesetzt werden und seinen Ausklang finden konnte. Einhundertsechzig Brötchen waren geschmiert, sechs Fässer Gewürzgurken geschnitten, viele Flaschen Getränke aufgebaut, Tische gerückt und vieles andere getan; und als der Jubilant schließlich eintraf, unter dem Arm die Schrägstola und ein noch verpackter CD-Player, konnte schließlich gefeiert werden. Auftakt dafür war die von Hans-Martin selbst gestaltete Jugendvesper, wiederum zum Leitgedanken ‚Freundschaft mit Christus’. „Herr, Du bist mein Leben“, gebetete Zeilen und Passagen aus diesem Lied bildeten den roten Faden, ergänzt von zwei Musikstücken und dazu gehörenden Zeugnissen zur Freundschaft.

Nach diesem Abendlob, an dem im Heiligtum neben der anwesenden Mannesjugend und der versammelten Priesterschaft auch eine Gifhorner Bibelkreis teilnahm, war Zeit zum Überreichen noch nicht überreichter Geschenke, zum Essen und Trinken und zum Schwelgen in Erinnerungen: zum Beispiel an die Reise nach Südamerika vor nunmehr acht Jahren, auf der Hans-Martin den inzwischen zum Priester geweihten Rafael (siehe auch Bericht über die Schweizfahrt) kennen gelernt und auf der er sich entschieden hatte, in die Gemeinschaft der Schönstatt-Patres einzutreten. Noch während der Gespräche am Buffet im blauen Saal entbrannte draußen auch das Lagerfeuer. Eine lustige Singerunde rundete den Tag wahrlich ab, nicht zuletzt mit den zu „Trinkfest und arbeitsscheu“ neu erfundenen Zeilen: „Kennt Ihr Hans-Martin schon, / der ist jetzt Diakon. / Aus uns wird nichts …“ Der verabschiedete sich gegen elf Uhr abends, um noch nach Gotha zu fahren, wo er am nächsten Tag in seiner Heimatgemeinde in der Heiligen Messe assistieren würde.

Es mag vielleicht nur mir so gehen, aber ich habe diesen Tag wirklich als heiligen Tag in Erinnerung. Nicht nur, weil wir immerhin ganze drei Mal „in der Kirche“ waren. Sondern weil über allem eine tiefe Freude lag, die nicht selbst gemacht und nicht aufgekratzt war. Hans-Martin strahlte an diesem Tag ein seliges Glück aus, dass man die Gewissheit hatte: Sein „Hier bin ich, Herr“ kam von ganzem Herzen. Und von dieser Freude konnten sich alle Anwesenden leicht anstecken lassen.


Autor: Johannes Reimann
Rubrik: life » report
Eingestellt am 29. September 2007
Zuerst veröffentlicht in Ausgabe 31, September 2007
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