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Eine Verkettung unglücklicher Zustände?

Noch recht harmlos begann die Abfahrt am 26.12. Recht bald stellte sich aber heraus, dass aus der geplanten Anreise bis um 19.00 Uhr nichts würde, da sich unser stellvertretener Regiosprecher* als Fahrer verspätet hatte. Böse Stimmen mögen jetzt behaupten: „Naturgesetzte lassen sich eben nicht brechen!“

Nachdem die Leitung der Jahreskonferenz von Heiligenstadt aus informiert und die geplante Anreise auf 21.00 Uhr festgelegt worden war, begann das große Räumen. Der Grund dafür war, dass der Kofferraum des Autos bereits mit dem Gepäck der fünf Teilnehmer gefüllt war. Durch geschicktes Umräumen gelang es uns jedoch, noch die zwei großen Boxen samt Verstärker aus der Klause unterzubringen. Um Punkt 17.15 Uhr konnten wir, nachdem wir das Navigationsgerät von einem gewissen Herrn HaMaSa eingestellt hatten, starten.

Als Wegzehrung gaben uns die Marienschwestern noch fünf Mandarinen mit, für die allerdings kein geeigneter Platz mehr gefunden werden konnte, sodass der in der Mitte sitzende Kilian dauernd von unangenehm kalten Geschossen getroffen wurde. Dieser sicher unglückliche Zustand konnte aber relativ leicht behoben werden. Zum Glück!

Auch als positiv empfunden werden konnte die neu freigegebene A38, die unsere Hoffnung auf eine doch noch frühere Ankunft erhöhte. Natürlich kannte das Navi diese Strecke noch nicht, was uns aber auch nicht sonderlich störte, da wir uns als fähig empfanden, diese Strecke auch so zu finden. Auf der A7 und somit auf für das Navi bekannter Strecke angekommen, zeigte es uns wieder den Weg. Komisch war nur, dass es uns recht bald von der eben genannten Autobahn auf eine kleinere lotste, was für uns aber nicht wunderlich war, da sich keiner, wie später bekannt wurde, die Strecke im Atlas genauer angeschaut hatte.

Nachdem die kleinere Autobahn auch noch auslief und wir laut Navi auf Landstraßen weiterfahren sollten, kam schon etwas Verwunderung auf. Eine mögliche Erklärung hierfür war, dass das Navi auf mögliche Staus auf der Autobahn reagierte und so versuchte, uns an einem solchen vorbeizuführen.

Als junger Mensch glaubt man ja eigentlich, auf die neue Technik könne man sich verlassen, wobei es ja auch fast unmöglich scheint, dass sich SMJler der Regio Wegweiser verfahren. Doch aus Technik, die begeistert, wurde schnell Technik, die entgeistert. Als das Navi auch noch die Anweisung gab, geradeaus zu fahren, obwohl die Straße nur nach rechts und links abbog, kamen die ersten Zweifel an der neuen Technik. Für einiges Verfahren sorgten auch die meist recht unpräzisen und vom Fahrer teilweise falsch umgesetzten Anweisungen.

Nach dem Aufkommen von sehr starkem Nebel wurde die Unsicherheit, noch auf dem richtigen Weg zu sein, immer größer. Die auf der Autobahn begonnen Planung für das unter der Regie der Regio Bayern ablaufende Musikantenstadl mit Marianne und Michael mit der Vorstellung des eigenen Gebietes konnte unter solchen Umständen nicht fortgesetzt werden. Wie sich später herausstellte, war das auch gar nicht mehr nötig. Schlecht war, dass wir die für den Abend benötigten Boxen samt Verstärker bei uns im Kofferraum hatten und so dass Programm ohne uns eigentlich nicht richtig ablaufen konnte.

Während einer Pause an einer Tankstelle irgendwo in Hessen – oder bereits in Rheinland-Pfalz? – schauten wir uns das Navigationsgerät noch einmal genau an und stellten zu unserem Entsetzen fest, dass es auf „Autobahnen vermeiden“ eingestellt war und wir so die ganze Zeit ohne Grund fast nur Landstraßen gefahren waren.

Etwas später, immer noch auf Landstraßen, da nun keine Autobahn mehr in der Nähe war, gab es plötzlich einen kleinen Hieb, als ob wir durch ein Schlagloch gefahren wären, obwohl weit und breit keins zu sehen war. Als dazu noch eine gelbe Lampe aufleuchtete und Bernhard meinte, das Auto ziehe nicht mehr richtig, war die Hoffnung, doch noch einiges vom Eröffnungsprogramm mitzubekommen, erloschen. Folglich war auch das Abendbrot schon längst vorbei, aber zum Glück hatte Josef vorgesorgt und original Eichsfelder Wurst mit noch etwas eisigem Brot dabei gehabt. Mit einigem Zittern gelang es uns doch, einige Berge zu überwinden, wobei man nicht davon sprechen kann, dass wir uns dem Ziel schnell näherten. Als das Navi wieder missverständliche Angaben machten, hatten wir, auf gut Deutsch gesagt, die Schnauze voll und suchten den Autoatlas aus dem Kofferraum, was wir schon längst hätten gemacht haben sollen. Unserem Navigator Kilian ist es zu verdanken, dass wir gleich eine nahe gelegene Autobahnauffahrt nutzten, obwohl das Navi mit uns wieder etwas anderes vorhatte.

Wohl allerdings durch Fehler in der Elektronik beeinflusst, erreichte das Auto auf der Autobahn nur mit Mühe 60 km/h. Was für eine Demütigung, selbst von LKWs überholt zu werden. Endlich in Vallendar angekommen, schon von der Freude, endlich am Ziel zu sein, ergriffen, setzte sich die „Verkettung von unglücklichen Zuständen“ fort.

0 Uhr und 7 Minuten: Um sich kurz zu orientieren fährt Bernhard auf ein Betriebsgelände. Durch eine kleine Unachtsamkeit hinsichtlich der Lage der Bordsteinkante wird das Auto von einer starken Erschütterung getroffen. Bei einem kurzen Blick aus der Tür sieht und hört man die Folgen: „Platter hinten rechts.“ Ein Seufzen geht durch die Reihen. Was für ein Vergnügen, kurz nach Mitternacht auf einen Betriebsgelände, wenige Minuten vom Ziel entfernt, den bis obenhin voll geladenen Kofferraum zu entleeren, um an das Reserverad zu kommen und dies zu wechseln. 0.27 Uhr: Nach einem Reifenwechsel fast in Formel 1 Tempo, wenn man das Ein- und Ausladen bedenkt, kommen wir endlich im Jugendzentrum Marienberg an.

Man mag es als göttliche Fügung oder ähnliches bezeichnen, jedenfalls erholte sich das Auto durch den Reifenwechsel etwas und schaffte es mit letzter Kraft den Berg bis zum Jugendzentrum zu bezwingen. Viel weiter als bis vor unsere Parklücke hätte es dies wohl kaum geschafft und so standen wir nun da, vor unserer Parklücke und mit einem Auto, bei dem man soviel Gas geben konnte, wie man wollte und doch keins kam. Nach mehreren Versuchen gelang es uns endlich auch noch, das Auto ordnungsgemäß einzuparken.
Erwähnt werden muss an dieser Stelle noch: Wir waren nur die Vorletzten. Einige Teilnehmer kamen erst wenige Minuten nach uns an und andere erst im Verlauf der JaKo. Im Jugendzentrum wurden wir um Punkt 0.30 von Pater Stefan mit einem Lächeln und der Frage „Wann wolltet ihr ankommen?“ nach über siebenstündiger Fahrt begrüßt. Nach einem improvisierten Abend- oder eher Nachbrot mit einer „Einweisung in das schwäbische Essen“ und mit Wurst der selbigen Herkunft konnten wir uns auf unser Zimmer begeben. An Schlaf war noch nicht zu denken, da wir für den von uns zu gestaltenden folgenden Tag noch einiges zu planen hatten. Gegen 2.00 Uhr war dann endlich an Schlaf zu denken.

Morgens um dreiviertel sieben war die Nacht allerdings schon wieder vorbei und es ging ans Vorbereiten der Vitamincocktails zum Wecken, was dann relativ flott vonstatten ging. Der erste volle Tag der Jahreskonferenz war als Danktag festegelegt worden. So präsentierte jede Regio / Diözese / Abteilung ihre Highlights des Jahres. Wir präsentierten trotz vergessener PowerPoint-Präsentation die einzelnen Veranstaltungen hinsichtlich des Jugendhausverkaufes, was uns von manchen Teilnehmern einige Anerkennung einbrachte.

Nachdem am Nachmittag ein Vortrag unter dem Thema „Wie präsentiert sich Kirche heute“ stattfand und über die Arbeit mit der letzten Jahresparole „Generation Liebesbündnis – Zukunfts®evolution“ diskutiert wurde, fand am Abend der Dankgottesdienst mit anschließender Johannesweinsegnung statt. „Aufgetischt“ hatten wir Weine aus Gebieten unserer Regio, sprich Wein aus dem Gebiet Saale-Unstrut. In diesem würdigen Rahmen wurde die Standesleitung der Mannesjugend und des Jugendzentrums offiziell weitergegeben.

Der zweite Tag beschäftigte sich mit dem Liebesbündnis. So stellte Pater Paul Vaultier seinen Liebesbündniswürfel vor. In der Mittagspause suchten wir verzweifelt eine Autowerkstatt, was uns aber nicht sofort gelang, weswegen Bernhard die Nachmittagsrunde verpasste und sich auf Werkstattsuche begab. Fast hätte das Auto in einer etwas großzügig ausgeholten Kurve noch eine weitere Schramme gekriegt, aber zum Glück ist ja alles gut verlaufen. Am Nachmittag ging es darum, „… die Freude am Liebesbündnis weiterzugeben.“ Dazu wurden u. a. Radiospots, Zeitungsartikel und Rollenspiele zum Thema Liebesbündnis verfasst. Ziemlich am Ende dieser Runde erschien auch Bernhard wieder, sogar mit einem „normal fahrenden“ Auto. Ursache des Ganzen war wohl ein gelöster Turboschlauch.

Der Freitag begann mit einem Vortrag von Pater Penners über geistliche Bewegungen, in dessen Anschluss in Gruppenarbeit wesentliche Aspekte der Schönstattbewegung erklärt werden sollten (MTA, Urheiligtum, GTO, Gnadenkapital, …). Während der Mittagspause erkundeten wir zusammen mit dem neu dazugekommenen Hans-Martin Schönstatt. Nach der Auswertung der einzelnen Begriffe am Nachmittag trafen wir uns abends im Provinzhaus der Schönstatt-Patres zur Regiokonferenz [andere Regios trafen sich woanders; Anm. d. Red.]. Nach dem Pflichtprogramm, also einer Reflexion über die JaKo und die ersten Gedanken zur Jahresparole, nahm dieser Abend ein gemütliches Ende.

Den letzten Tag mussten wir ohne unseren (stellvertretenden) Regiosprecher* Bernhard verbringen, da dieser in der Nacht gegen dreiviertel fünf – fast ohne geschlafen zu haben – einen Zug Richtung Heimat nahm. Man könnte sich denken, wie diese Zugfahrt ausgehen könnte, aber wie aus gut informierten Quellen zu entnehmen war, ist das befürchtete Ereignis nicht eingetreten und unser Regiosprecher pünktlich auf der Goldenen Hochzeit seiner Großeltern angekommen.

Der letzte volle Tag begann mit einer Heilig-Geist-Andacht, um den Heiligen Geist um eine möglichst gute Jahresparole für das Jahr 2007 zu bitten. Relativ schnell zeichnete sich ab, dass die Säulen Liebesbündnis und Apostolat bei der Jahresparole im Vordergrund stehen sollten. Mit einigen Störungen der Formulierungskommission durch überaus eifrige JaKo-Teilnehmer gelang es endlich, sich auf eine Auswahl an Formulierungen zu einigen. Mehr als zehnmal wurde die „Dauerwerbesendung“ im Plenum durch Vorschläge der Formulierungskommission unterbrochen, bis es schließlich gelang, um 20.52 Uhr, in einer endgültigen Abstimmung, die neue Jahresparole zu beschließen.

Anschließend gab es ein festliches, wenn auch etwas spätes (wir waren schon späteres gewohnt) Abendbrot. Der ganze Abend wurde von der Regio Mitte als eine Art Karnevalssitzung gestaltet. Den Höhepunkt des ganzen Abends bildete die Verleihung der Säulenpreise, wobei auch die Regio Wegweiser für besondere Leistungen und Engagement beim Umzug ins Kleine Paradies ausgezeichnet wurde. Unerwartet wurde uns dafür der Säulenpreis in der Kategorie Mannsein verliehen, was wir im Verlauf des Abends noch ausgiebig feierten. So ist es auch nicht verwunderlich, dass für uns die Nacht erst um 3.30 Uhr zu Ende war.

„Wer lange feiert, kann auch früh aufstehen.“ Getreu diesem Motto begann der letzte Tag um 7.30 Uhr mit dem Wecken. Nachdem wir unseren Spüldienst verrichtet hatten, bei dem uns Hans-Martin und der neu dazugekommene Johannes R. großzügig unterstützten, fand die Abschlussmesse in der Hauskapelle der Pallottiner statt. Anschließend wurde [im Urheiligtum; Anm. d. Red.] die neue Jahresparole für das Jahr 2007 feierlich verkündet:

Generation Liebesbündnis –
entflammt®leben

Nach dem traditionellen Abschlussfoto und dem Packen unserer Sachen machten wir uns mit unserem Fahrer Johannes R. auf die Heimreise. Diesmal hatte das Navi einen Platz im Handschubfach. Trotzdem erreichten wir unser Ziel noch unter vier Stunden und ohne uns ein einziges Mal zu verfahren. Vielleicht mag es daran liegen, dass Johannes diese Strecke mit einem scheidenden Mitglied der SMJ schon viele Male hinter sich brachte, oder andere Ursachen haben. Jedenfalls war die gesamte JaKo trotz der oder gerade wegen der ungewöhnlichen Anreise ein einmaliges Erlebnis. Den Höhepunkt bildete natürlich noch die Verleihung des Säulenpreises.

Mit anderen Worten: Absolut keine Verkettung von unglücklichen Zuständen, auch wenn es manchmal den Anschein hatte!

* Unser Regiosprecher bezeichnete sich selbst lieber als ‚stellvertretender Regiosprecher’, da er dieses Amt als Diözesanführer der größten Diözese der Regio auch ausübte, statt als ‚(kommissarischer) Regiosprecher’, da dies ihm zu förmlich klang.


Autor: Johannes Henning
Rubrik: life » report
Eingestellt am 19. Februar 2007
Zuerst veröffentlicht in Ausgabe 26, Februar 2007
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