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Jede Generation ist herausgefordert, Schönstatt neu zu gründen
Geleitwort des Diözesanführers, Bernhard Staffa, zur Schließung des Jugendhauses Thalwenden
Es ist immer ein Traum von mir gewesen, Diözesanleiter der Schönstatt-Mannesjugend in der Diözese Erfurt zu werden, oder gar das Amt das Regiosprechers auszuüben, und auf diese Art und Weise die Geschicke der SMJ in unserer Region mitzubestimmen.
Nun bin ich tatsächlich seit einiger Zeit der offizielle Diözesanleiter; allerdings hatte ich mir diese Tätigkeit in wesentlichen Punkten ein wenig anders vorgestellt.
Während meiner Amtszeit wurde unser Standesleiter Pater Michael Czysch wegversetzt, ohne dass ein adäquater Ersatz nachgefolgt wäre. Dieses Ereignis, das für uns alle unerwartet kam, war ein schwerer Schlag für uns und unsere Arbeit, doch die Leiterrunde der Regio Wegweiser investierte viel Energie und Kreativität, um die nun neu entstandenen Problemen anzugehen. Strukturelle Neuerungen wurden durchgeführt, und mit viel persönlichem Einsatz gelang es, die Situation zu meistern. Doch dann erhielten wir im Frühjahr dieses Jahres die Nachricht, dass unser Jugendhaus verkauft wird.
Die Frage, die ich mir in den letzten Wochen oft gestellt habe, ist: „Warum wird unser Jugendhaus ausgerechnet jetzt verkauft, ausgerechnet während meiner Amtszeit? Warum steht ausgerechnet unsere SMJ Regio Wegweiser-Generation vor dieser Herausforderung? Haben wir etwas falsch gemacht, und wenn ja, was?“
Ich verbinde mit diesem Haus sehr viel. Es ist für mich mehr als ein Ort, an den man gelegentlich fährt, um nette Menschen zu treffen oder Zeltlager vorzubereiten, mehr als eine funktionale Hülle. Es ist vielmehr Ausdruck eines ganzen Lebensgefühls: Jugendlichen wird die Verantwortung für ein eigenes Haus übertragen, das sie nach eigenen Vorstellungen nahezu unabhängig gestalten können. In diesem Haus war ich zu Hause, hier schloss ich tiefe Freundschaften, hier lernte ich hautnah, was „Freiheit in Verantwortung“ bedeutet. Sicherlich hätte man über die Jahre im Jugendhaus viele Dinge besser oder zumindest anders machen können, doch auch das gehört zum Lebensgefühl dazu: Dass es einen Raum gibt, in dem ich mich ausprobieren darf, in dem ich Erfahrungen machen kann.
Es heißt immer wieder: „Jede Generation ist aufgerufen, Schönstatt neu zu gründen.“ Mittlerweile kann ich mir sehr gut vorstellen, dass dieser Satz weniger bedeutet, dass jede Altersschicht sich ihre langen und breiten Gedanken machen soll, wie sie mit dem Erbe Pater Kentenichs umgehen sollte, oder welchen speziellen Bezug sie zum Urheiligtum hat. Dies sind ohnehin Fragen, deren Antworten sich aus dem Lebensgefühl heraus ergeben. Vielmehr denke ich, dass es bedeutet, dass jede Generation die Probleme zu lösen versuchen soll, vor denen sie steht, in der Interaktion mit Jesus und Maria die Probleme der Zeit angehen soll, und so ein zeitgemäßes Schönstatt hervorbringen kann, ein Schönstatt, das Antworten gibt auf die Fragen der jeweiligen Zeit, das dem Menschen im Hier und Jetzt Orientierung und Wegbegleitung bietet.
So stand jede Generation von SMJ’lern vor ihren je eigenen Herausforderungen, und trotz der überaus menschlichen Tendenz, die eigenen Probleme jeweils als die größten zu betrachten, muss man anerkennen, dass die Mannesjugend zu allen Zeiten vor großen Aufgaben und Neuerungen stand. Waren die Rahmenbedingungen vermutlich auch selten so ungünstig wie sie es heute für uns sind (allein schon, da wir keinen hauptamtlichen Mitarbeiter haben), so können wir uns dennoch in der Tradition einer von Gott immer begleiteten Gemeinschaft sehen und so darauf vertrauen, dass auch wir an dem Ziel ankommen werden, dass Gott für uns vorgesehen hat.
Aus diesem Vertrauen heraus können wir sagen: Es war eine sehr schöne Zeit, die wir im Jugendhaus erleben durften, es war eine erfüllte und reich beschenkte Zeit; aber es war eben nur eine bestimmte Zeit. In Anlehnung an das biblische Buch Kohelet lässt sich formulieren: „Es gibt eine Zeit, ein Jugendhaus aufzubauen, es gibt eine Zeit, darin zu wohnen, und es gibt auch eine Zeit, wieder auszuziehen und etwas Neues zu beginnen.“ Und das ist es auch, was mir hilft, diesen Abschied von unserem Jugendhaus nicht als Ende zu sehen: Ich weiß, dass etwas Neues im „Kleinen Paradies“ in Heiligenstadt beginnen wird, etwas, das zwar anders und ungewohnt und mit Einschränkungen verbunden sein wird, das aber auch die Chance bietet, neue Ideen auszuprobieren, neue Bindungen zu schaffen, in einem gewissen Sinne für uns Schönstatt neu zu gründen.
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