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Generation Liebesbündnis?

„Generation Babyboomer“, „Generation Golf“, „Generation X“ – diese Begriffe sind hinlänglich bekannt; sie bezeichnen eine Altersgruppe, die sich durch spezielle Verhaltensweisen oder Einstellungen auszeichnet. Gibt es also, vielleicht auch befördert durch die Jahresparole der SMJ Deutschland (siehe Editorial), ein besonderes, eine neues Bewusstsein für das schönstättische Liebesbündnis? Die SMJ der Regio Wegweiser ist zu einer „Generation Liebesbündnis“ geworden. Aber nicht, weil wir die Jahresparole als Anweisung oder Befehl verstanden hätten. Vielmehr stellt sich im Rückblick heraus, dass das vergangene Jahr eine Zeit zu sein schien, sich auf das Liebesbündnis zu besinnen. Die bewusste Weihe an die Gottesmutter spielte – aus unterschiedlichen Gründen und in unterschiedlichen Anliegen – sowohl für einzelne als auch für die Regio als solche eine bedeutende Rolle. Junggruppenleiter, die zum ersten Mal ein Zeltlager als Helfer mitgestalteten, schlossen dort im Bündnisgottesdienst die Mitarbeiterweihe. Unabhängig von der Jahresparole sind sie damit zu Lebensträgern geworden, die die „Generation Liebesbündnis“ auszeichnen.

Zu einem besonderen Moment ist auch das Bündnis für die Zukunft der SMJ geworden; vielleicht kann man es später einmal in typischer Schönstatt-Manier „Meilenstein“ nennen. Aus dem Empfinden heraus, dass die derzeitige Situation besonders unseres verstärkten Engagements bedarf, und mit der bewusst erneuerten Bitte um Beistand und Begleitung durch die Gottesmutter, schlossen die Teilnehmer der Regiokonferenz Ende September eben dieses Bündnis. Drei Aspekte waren und sind es, die dabei besonders zur Geltung kommen sollen: verbünden, verschenken, verpflichten.

Das Liebesbündnis, wie es den Grundstein der schönstättischen Spiritualität bildet, umfasst schon von sich aus verschiedene Dimensionen. Dazu gehört die Bindung an Menschen. Wer also die Weihe ablegt, schließt das Bündnis nicht nur mit der Gottesmutter. Er klinkt sich automatisch auch in das riesige Netzwerk all jener ein, die ihrerseits das Liebesbündnis geschlossen haben. Insofern ist das „Verbünden“ also im Bündnis bereits inklusive. Wie wir es bewusst betont haben, soll es aber mehr meinen: In den Zeiten, da wir uns immer neuen Herausforderungen gegenübersehen, wollen wir zusammenstehen. Wir heißen jeden willkommen, der sich und seine Kraft investieren möchte. Wir nehmen uns gegenseitig ganz bewusst zur Kenntnis und bekräftigen uns untereinander, dass wir nur miteinander die Zukunft der Mannesjugend meistern können. Eigenbrötler-Tendenzen sollen hier nicht zum Zug kommen können. Als Symbol für das „Verbünden“ haben wir eine Baumscheibe gewählt. Sie ist gezeichnet von vielen Jahresringen. Ebenso ist unsere Gemeinschaft geprägt von mehreren Generationen an Jungmännern.

Auch das „Verschenken“ entspricht der ur-eigenen Spiritualität, wie sie in Schönstatt gepflegt und gelebt wird. In jedem Heiligtum der Welt findet sich ein Krug, darauf steht eventuell der berühmte Satz geschrieben: „Nichts ohne Dich, nichts ohne uns“ (manchmal stehen auch andere Worte drauf, so zum Beispiel „Sie haben keinen Wein mehr“). Der Krug soll zu einem Gefäß werden für die Sorgen, Nöte, Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen, die das Heiligtum besuchen und sich an die Gottesmutter und an Christus wenden. So haben wir zum Bündnisakt unseren Krug gebracht, der gefüllt war mit dem, was uns im Herzen bewegt. Zusammen mit dem Inhalt des Kruges schenken wir auch uns selbst als Einzelne, als Regio, als Gemeinschaft hinein in das Bündnis. Damit einher geht das Wissen, dass die Gottesmutter „nichts ohne uns“ wirken kann, dass sie uns braucht – so auch für die Zukunft der SMJ: „Lass uns stets Dein Werkzeug sein“.

Ein solches Bündnis schließlich besitzt nur einen Wert, wenn man dazu steht: Damit ist sowohl die Sache als auch der Bündnispartner gemeint. Indem wir uns „verpflichten“, legen wir eine Betonung auf diesen Gedanken. Die Gottesmutter wird die Zukunft der Regio Wegweiser nur zur Chefsache machen, wenn auch wir unseren Teil dazu tun. Das kann uns schon mal in die Situation bringen, dass wir sagen müssen: Okay, eigentlich habe ich kein Lust, aber immerhin habe ich mein Wort gegeben. Sich zu verpflichten und diese Verpflichtung einzuhalten, zeugt von einer Fähigkeit, die längst nicht mehr alle Menschen besitzen. Was heute mit Freiheit gemeint ist, bedeutet eigentlich nur Unverbindlichkeit und Anonymität. Da könnte man uns durchaus für ein wenig schräg halten, wenn wir ein Versprechen für eine Sache ablegen, die uns ein Herzensanliegen ist, die andere aber vielleicht eher der Kategorie „Hobbys und Interessen“ zuordnen würden. Noch dazu mit dem Symbol einer Flagge, wie sie beim Bündnisschluss jeder von uns an einem Zipfel in den Händen hielt. Dieses Banner – darauf haben früher neu gewählte Diözesanführer ihren Amtseid geleistet – ist uns zum Symbol geworden, dass unser Bündnis nicht beliebig sein soll, sondern dass wir dazu stehen.

Verbünden, verschenken, verpflichten – Aspekte, wie sie eigentlich im schönstättischen Liebesbündnis grundgelegt sind. Sie als Schritte bewusst zu vollziehen, das war und ist das Besondere am Bündnis für die Zukunft der SMJ Regio Wegweiser. Wir wissen, dass wir diese Zukunft nur gemeinsam gestalten und meistern können. Dafür müssen wir auch etwas von uns selbst abgeben. Nicht einfach so, nicht nur, wenn wir Lust haben. Sondern verbindlich – so, dass es auch eingefordert werden kann. Dafür darf man uns dann gerne als „Generation Liebesbündnis“ bezeichnen.


Autor: Johannes Reimann
Rubrik: home » spirit
Eingestellt am 16. Dezember 2006
Zuerst veröffentlicht in Ausgabe 25, Dezember 2006
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