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Das alles hatte das Jugendhaus Thalwenden zu bieten
Dieses Jugendhaus ist nicht nur ein Haus gewesen, es war Lebensraum und Heimat. In mehr als vier Wänden spielte sich hier regelmäßig junges, erfrischendes Leben ab. Männerwelten entstanden, die in ihrer Dichte und Natürlichkeit ihresgleichen suchen.
Zimmer, Verschläge, Säle, Kammern und Keller waren es, die seit mehr als 21 Jahren viele Generationen junger Menschen beherbergten. Hier zu sein bedeutete, eine Art Stationenlauf zu absolvieren, beispielsweise von der Küche in den Gruppenraum, wieder zurück in die Küche, von dort in das Medienkabinett und schließlich, mit einem Abstecher über das Hausheiligtum, schnurstracks in die Alte Werkstatt. …
Diese Stationen männlichen Lebens sollen in einer kleinen Auswahl hier dargestellt werden.
Küche
Dieser Raum darf mit Fug und Recht als eines der mehreren Herzen des Hauses bezeichnet werden. Die gute Seele des Hauses, Frau Zwingmann, legte sich hier Wochenende für Wochenende ins Zeug, um die durch anstrengende Arbeit ausgehungerten Jungs und jungen Männer aufs Mütterlichste zu umsorgen. Kochlöffelschwingend erwarb sie sich hier die Herzen der SMJ und den Ruf einer SMJ-Mama. Nicht zuletzt dadurch war die Küche mehr als ein Funktionsraum zur Nahrungszubereitung und –aufnahme, sondern ständig voller Menschen und Gespräche.
Reich bestückt mit allem, was in einer Küche so benötigt wird, wurden hier von verschiedenen Personen die verschiedensten kulinarischen Köstlichkeiten zubereitet. Unvergessen bleiben wohl die Kochkünste unseres indischen Praktikanten Xavier Manickatan, die ihm selbst zu ungewürzt waren, so einigen SMJ’lern aber Schweißperlen auf die Stirn jagten
Gruppenraum
Der Gruppenraum zählt zu den ganz wenigen Gebäudeteilen, die nicht exklusiv von der SMJ genutzt wurden. Die Pfarrgemeinde Thalwenden hielt in diesem Raum Erstkommunionunterricht, Kirchenvorstands- und Pfarrgemeinderatssitzungen ab; auch der Kirchenchor probte hier.
Nichtsdestotrotz handelte es sich um einen der wichtigsten Räume des Hauses auch für die SMJ. Er stellte das Herzstück gemeinsamen Arbeitens dar; unzählige Zeltlager und Sterntreffen wurden hier vorbereitet, kommende Jahre und Jahreskonferenzen geplant, Gruppenstunden zu den unterschiedlichsten Themen gehalten und Treffen mit wichtigen Personen durchgeführt. Auch der eine oder andere Geburtstag wurde hier gefeiert.
In den Schränken befanden sich zahlreiche Bastelmaterialien, während an den Wänden Fotocollagen von vergangenen Ereignissen berichteten.
Daneben beinhaltete er eine hervorragende Dolby-Surround-Fernseh- und Musikanlage mit einer großen CD- und Plattensammlung. In Kombination mit dem Sofa und den Sofas und Videos aus dem Wohnzimmer (→ siehe dort) drängte sich eine Nutzung als atmosphärischer Kinosaal geradezu auf.
Alte Werkstatt
Bis zum Ende der Neunziger Jahre war dieser Teil des Hauses tatsächlich das, was sein heutiger Name ausdrückt: Eine Werkstatt, die nicht mehr als solche genutzt wurde, voll gestellt mit einer Werkbank, Töpfen, Farben, Werkzeug und noch vielem mehr. Circa einen halben Meter weit konnte man den Raum betreten, dann ging es nicht mehr weiter wegen der Unmenge an verschiedensten Dingen.
Schließlich stellte die SMJ, die sich regelmäßig im Jugendhaus traf, fest, dass ein gemütlicher Kneipenraum dem Haus weiteren Charme verleihen würde und entschied, den Raum der alten Werkstatt auszubauen. In engagierter Eigenleistung wurde der Raum gefliest, getäfelt, bebalkt und was noch so alles dazugehört, und bietet seither ein Optimum an Gemütlichkeit. Die Abende der meisten Wochenenden enden hier mit Feiern, Spielen, Lachen, Singen und Gesprächen.
Die „Alte Werkstatt“ ist der einzige Raum des Hauses, in dem geraucht werden darf (zumindest meistens; wenn die Nichtraucher in der Überzahl sind, werden Raucher gelegentlich auf den Hof (→ siehe dort) verbannt, um ihrer Sucht zu frönen).
Hof
Dieser Hof ist mehr als ein Hof. Er ist vermutlich der Raum, der die größte Bandbreite an Verwendungsmöglichkeiten fand. Kochgelegenheit für die Thalwendener Zeltlager war er und wurde bei der Anwesenheit größerer Gruppen im Haus als Ausweichspeisesaal verwendet. Oft stand auch eine Tischtennisplatte hier, an der heiße Matches ausgetragen wurden. Für LAN-Partys im kleineren Rahmen war er ebenfalls hervorragend geeignet. Weiterhin erfüllte er die Funktion einer zentralen Lagerstätte, für Manches vorübergehend (z.B. Zeltlagerausrüstung vor und nach den Zeltlagern), für manches Andere weniger vorübergehend. Darüber hinaus diente er gelegentlich als Rauchsalon, wenn die überwiegende Mehrheit der Anwesenden in der „Alten Werkstatt“ (→ siehe dort) gegen den Verzehr von Lungenbrötchen in letzterer war.
Unvergessen sein wird wohl für viele der hohe Gemütlichkeitsfaktor, den der Hof hatte, wenn Regen auf sein Wellplastedach prasselte, man sich aber gleichzeitig geborgen im trockenen Jugendhaus fühlen konnte (und nicht noch gleich ins Wiesental zum Zeltlager musste).
Hausheiligtum
Das Hausheiligtum in seiner jetzigen Form wurde gestaltet während eines Kreistreffens des Kreises „Emmaus“ unter Anleitung von Pater Michael. Es ist gewissermaßen das spirituelle Herz des Jugendhauses. Neben Morgen- und Abendgebeten wurden hier Heilige Messen gefeiert, geistliche Impulse gehalten, Lieder gesungen, oder auch einfach nur gute Gespräche bis tief in die Nacht geführt. Nicht selten zog sich jemand hierhin zurück, um im Stillen zu beten, nachzudenken, in Ruhe Dinge vorzubereiten.
Im Laufe der Zeit wuchs der Raum immer weiter in seiner emotionalen Tiefe; Andenken und materielle Bezugspunkte der verschiedensten Ereignisse fanden ihren Platz an diesem Ort. Meist wurden gestalterische Akzente entsprechend der einzelnen Wochenenden gesetzt; so gab es beispielsweise eine gewisse Zeit lang einen Turm aus kleinen Ziegelsteinen und einen kleinen Bergfried, während der Vorbereitungsphase der Ritterzeltlager im Sommer des Jahres 2003.
Medienkabinett – Mannesjugendbüro
Dieser Raum ist die Entsprechung für die aktiven SMJ’ler zum Paterbüro; hier wurden Einladungen designt und eingetütet, Unmengen an Kopien erstellt, wichtige Telefonate geführt und die gesamte interne Verwaltung der Mannesjugend organisiert.
Daneben lieferte man sich schmutzige Schlachten mit Kopierertonern und nicht funktionierenden Laserdruckern oder wartete darauf, dass sich der P 133 über ein 56k-Modem doch endlich ins Internet einwählt. Doch trotz der unglaublichen Langsamkeit und Altersschwäche des Mannesjugend-Rechners war es immerhin möglich, beispielsweise Anno 1502 darauf zu spielen.
Von besonderer Liebenswürdigkeit ist der Platz unmittelbar vor dem linken Fenster, an dem der Bürostuhl stand, wenn man am Computer arbeitete. Oder besser gesagt, stehen sollte, denn der Boden dort ist dergestalt uneben, dass man während der Arbeit immer wieder vom Schreibtisch weg rollte. Daraus konnte sich schnell ein lustiges Spiel entwickeln, dass über Stunden vor der Arbeit schützte . . ..
Liegewiese (ehemals „Mahatmas Ruh“)
Der heutige Name „Liegewiese“ setzte sich erst allmählich als gebräuchlichste Bezeichnung für diesen Raum durch.
Mehrere Jahre lang konkurrierte er mit der Bezeichnung „Mahatmas Ruh“. Der Kreis nämlich, der irgendwann in den Jahren 1998 / 1999 diesen Bereich herrichtete und dementsprechend stark frequentierte, trug den Namen „Kreis Mahatma“, in Bezug auf den großen indischen Friedensrevolutionär. Doch in dem Maße, wie andere Kreise und Gruppen das Haus stärker belegten, schwand auch die Verwendungshäufigkeit des ursprünglichen Namens, und der weniger prosaische, eher funktional beschreibende Ausdruck „Liegewiese“ bürgerte sich ein.
Das an der Wand stehende Klappbett wurde für interessante Experimente genutzt (Ist es möglich, einen Menschen auf dem Bett festzuschnallen und das Bett dann zuzuklappen?), die Liegewiese war Austragungsort exzessiver Kissenschlachten, da durch ihre Geschlossenheit in der Polsterung besonders gut für entsprechende Zwecke geeignet.
Gerüchte wollen es, dass an dieser Stelle und im Schlafsaal (→ siehe dort) der Grundstein für den Namen des Kreises „Fight Club“ gelegt wurde.
Einzelzimmer
In Insiderkreisen liebevoll der „Haasenstall“ genannt, diente er vor Allem den SMJ’lern als Schlafstätte, die aus-welchen-Gründen-auch-immer ein Einzelzimmer bevorzugen. Wohl häufigster Gast in der letzten Zeit war der Namengebende Alt-Jungmann Sebastian H., dessen Identität aus Sicherheitsgründen hier lieber geheim gehalten wird. Zu früheren Zeiten (90er Jahre des letzten Jahrhunderts des vergangenen Jahrtausends) diente das Einzelzimmer, genauso wie das dazu achsensymmetrisch am Schlafsaal (→ siehe dort) gespiegelte Zivizimmer (→ siehe dort) als Unterkunft für einen der beiden Zivis, deren mehrere für jeweils einige Monate über lange Jahre hinweg ihr Wesen und Unwesen im Jugendhaus und dessen Umgebung trieben.
Garage
Diese Garage ist eine seltsame Angelegenheit. Eigentlich dazu errichtet, Autos unterzustellen, hat sie diese Funktion in der Vergangenheit nur ausgesprochen selten wahrgenommen. Legendären Berichten zufolge soll nach dem Thalwendener Zeltlager 2002 das Auto des damaligen Mannesjugendpaters Michael Czysch für einige Monate hier Heimat gefunden haben.
Meistens aber ist sie ausgefüllt mit Zelten, Werkzeug, Farben, Reparaturmaterial sowie den unterschiedlichsten Dingen, die nirgendwo anders Platz gefunden haben. Auch zwei Zinkbadewannen, ursprünglich mal von der KSG Weimar ausgeliehen, um Zelte darin zu waschen, haben seit langem hier ihre festen Stellplätze.
In letzter Zeit sorgte allerdings zunehmend ein verdienstvoller SMJ’ler dafür, dass die Garage aufgeräumt war; das sah dann so schön aus, dass er spontan sein Cabrio für den Winter dort unterstellte.
Schlafsaal
Spartanisch eingerichtet, ist der Schlafsaal augenscheinlich seiner Funktion nach ausschließlich auf das Schlafen beschränkt. Jedoch, wer sich auskennt, weiß, was Jungs und Jugendliche alles mit Kissen und Matratzen anstellen können. Mehr als eine Lampe ging zu Bruch, getroffen durch herumfliegende Kissen, und auf den auf dem Boden ausgebreiteten Matratzen erkämpfte sich der Kreis „Fight Club“ seinen Namen.
Doch es konnte auch ruhiger zugehen, bei langen Gesprächen knapp an der Kante zum Einschlafen, sowie vor allem morgens beim Aufstehen. In der Zeit, die für letzteres eingeplant war, herrschte oft eine beeindruckende Stille.
Zum Schlafsaal sollte man vielleicht noch erwähnen, dass in Thalwenden noch traditionell die Glocken dreimal am Tag zum Angelusgebet läuten; nicht nur mittags und abends, sondern zur großen Begeisterung von Generationen von SMJ’lern auch morgens Früh um sechs.
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