Noch ist kein Jahr vergangen, da scheint sich die SMJ in der Klause bereits pudelwohl zu fühlen. Schon werden Pläne für eine großartige Einweihungsparty, ja sogar ein ganzes Jugendfest geschmiedet. Der „alltägliche“ Betrieb scheint nur so zu brummen. Drei Lager – die Schweiz, Kirchmöser und Thalwenden – beweisen, dass die Wegweiser immer noch und vielleicht sogar „jetzt erst recht“ die Ärmel hochkrempeln und zupacken. Auch bei der Kreisarbeit scheinen wir in der Königsklasse angekommen zu sein: Der Fight Club ist der wahrscheinlich aktivste Kreis aller Zeiten, Emmaus und Reinisch-Ritter geben sich immer noch regelmäßig die Ehre und mit der offiziellen Gründung des neuen Kreises im Oktober kündigt sich schon die nächste Generation am Horizont an. Aber noch mehr ist im Moment drin: Neue Formen von Veranstaltungen, wie etwa das Vater-Sohn-Wochenende werden – wenn schon nicht hauptverantwortlich – dann zumindest unterstützend mitgestaltet. Der Blick geht sogar noch weiter, über die Diözese Erfurt hinaus. Im Osten, in Dresden, ist vielleicht ein Neuaufbruch möglich. Nach den positiven Erfahrungen, die die Pfingsttagung in Naundorf gebracht hat, scheinen alle Signale dafür auf grün zu stehen. Erleben wir also gerade goldene Zeiten?
Oder lassen sich die Dinge auch von der anderen Seite betrachten? Dass zum Beispiel die Teilnehmerzahl bei der Pfingsttagung (wieder einmal) erschreckend niedrig war; dass die Reinischnacht scheinbar im toten Winkel des Jahresprogramms liegt; dass die Einladungs- und Anmeldungskultur schon seit längerer Zeit zu wünschen übrig lässt? Von dieser Warte gesehen müsste man sich hüten, von einer glorreichen Epoche zu sprechen.
Aber wie auch immer das Urteil ausfällt, egal ob der Betrachter als Pessimist zur einen oder als Optimist eher zur anderen Richtung neigt – es gibt eine Tatsache, die als unumstößlicher Fakt gelten kann: Als SMJler ist man häufig unterwegs. Das meint zum einen natürlich die physischen Wege, die wir im Rahmen unseres Mannesjugend-Daseins zurücklegen. Es müsste sich jeder von uns einmal einen Kilometerzähler ans Bein schnallen und ihn jedes Mal dann anschalten, wenn wieder die SMJ ruft. Die Zahlen, die da zusammen kämen, können wir bestimmt nicht mal erahnen.
In der Tat mutet es zunächst verblüffend an, passt aber genau in diese Aussage hinein: Unterwegs sein spielt in dieser Ausgabe des F.L.O.H. eine wichtige Rolle. Das war von den Autoren vielleicht gar nicht so gewollt. Dennoch scheinen die Wege vom Eichsfeld nach München, von Trier nach Dresden, von San‘a ans Rote Meer oder von Kirchmöser nach Heiligenstadt erzählenswert. Ohne dass die Beiträge untereinander abgestimmt gewesen wären, hielten es die Schreiber für wichtig, davon zu berichten. Für zwei von uns bedeutet(e) dieses unterwegs Sein sogar, die Grenzen des Heimatlandes hinter sich zu lassen.
Jetzt müssten wir uns nur noch innerlich auf den Weg machen. Denn das ist es doch eigentlich, was zählt. Kilometer schrubben ist das Eine, das Andere ist es, sich mit dem eigenen Herzen wirklich in Bewegung zu setzen.
Unser Weg, der uns bewegt, bringt Bewegung ins Land, / wir geben unser Leben in Gottes Hand. / Wir organisieren, addieren nicht, / wir durchseelen das Leben, so bekommt es Gewicht. / Wir gruppieren uns zu zweit und zweit / und gehen den Weg durch diese Zeit.
Das Leben durchseelen, den Weg durch diese Zeit gehen, dieses Ideal hat die Gründungsgeneration Schönstatts als wichtig angesehen und darauf diese Bewegung aufgebaut, deren Teil wir als SMJ sind. Wir singen das Lied immer wieder, meist mit Unmengen an Begeisterung – und auch Bewegung. Mir wird in letzter Zeit immer wieder gesagt, dass ein wenig Bewegung mir durchaus gut tun würde. Das ist natürlich körperlich gemeint. Ich glaube aber, dass uns als Regio ein wenig geistliche Bewegung ebenso gut tun würde. Miteinander unterwegs zu sein, in eine gemeinsame Richtung zu wandern, praktisch durch die Zeit unserer Jugend zu pilgern – gemeinsam und im Bündnis mit Maria – das stelle ich mir als fruchtbar vor. Sowohl für jeden Einzelnen von uns als auch für uns als SMJ.
Denn Betrachtungen über goldene Zeiten oder nicht; darüber, ob wir mehr werden oder weniger, lohnen nicht wirklich. Unterwegs zu sein, wandernd, pilgernd, würde ein Charisma erzeugen, das uns interessant machte für andere. Und nur wer selbst schon unterwegs war und noch ist, kann wirklich ein lebender Wegweiser sein.
Wer also hat Sehnsucht, sich aufzumachen, einen inneren Weg als Regio anzutreten, wie immer der auch aussehen mag? Denkbar wäre, diesen Weg mit verschiedenen Tagungen zu begleiten; die pilgernde Gottesmutter wieder in unsere Mitte zu holen; ein gemeinsames Gebet zu schreiben, zu finden oder wiederzubeleben; schließlich sogar auch ein äußeres Zeichen zu setzen, indem wir zum Beispiel gemeinsam den Jakobsweg gehen …
Es kann natürlich auch sein, dass niemand einen Sinn darin sieht, sich auf den Weg zu machen. Dass alle mit dem zufrieden sind, wie es gerade läuft und ist – häuslich, vielleicht sogar ein bisschen bequem. Dass sich alle einig sind, dass wir in goldenen Zeiten leben.
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